Faces Magazine 09-12

Ready for Takeoff

Vor knapp 10 Jahren gründeten Feride Uslu und Jan Mihm in New York ihr eigenes Beauty-Label Uslu Airlines. Alle Produkte sind nach dreistelligen Flughafen-Codes benannt, ihr Team nennen sie Crew und ihr Büro ist der Tower. Der steht mittlerweile in Berlin und kontrolliert einen immer größeren Luftraum. Ein Interview über Nagellack.

Text: Nadja Knup Fotos: PR, Ailine Liefeld/Freunde von Freunden

FACES: Geht man einfach so hin und kreiert mit ein paar Millionen ein Beautylabel? Wohl kaum…

Uslu Airlines: Wir haben im Jahr 2000 in New York mit der Idee und der Entwicklung begonnen. Feride war Make-up Artist und ich riet ihr dazu eigene Produkte auf den Markt zu bringen. Investoren gab es keine, nur unsere weit überzogenen Kreditkarten und zahlreiche durchgearbeitete Nächte. 2003 wurde bei Colette Paris unser erstes Produkt verkauft – ein Lippenstift. Inzwischen haben wir über 200 Produkte in weltweit über 200 Shops im Verkauf.

F: Heute ist der Nagellack euer Steckenpferd. Weshalb dieser Wandel?

UA: Nagellack ist die offensichtlichste, universellste und farbenfrohste Kosmetik. Unabhängig von Anlass, Jahreszeit, Mode, Alter und Geschlecht kann damit jeder mit sehr einfachen Mitteln und ohne Spezialwissen seinen persönlichen Style entwickeln. Nicht zuletzt wollen wir Männern dekorative Kosmetik schmackhaft machen, ohne dass sie wie Transen aussehen. Nagellack ist da wohl männlicher als Lippenstift…

F: Welches war der erste Nagellack?

UA: Ziemlich bieder, ein klassisches Rot, Destination FUT – Futuna auf den Wallis and Futuna Islands (Insel- gruppe im südlichen Pazifik). Wir hatten noch nicht mal eine Story dazu.

F: Und welches ist die meistverkaufte Farbe?

UA: Jede Stadt hat ihren eigenen Bestseller. Tendenziell gut laufen SXF (Berlin Schönefeld) und PSP (Palm Springs).

F: Ihr habt z.B. mit Mykita oder Bernhard Willhelm zusammengearbeitet – sind neue Kollaborationen in Planung?

UA: Natürlich. Es kommt jetzt im August beispielsweise eine Kollaboration mit dem treffsicheren Dj-Kollektiv, Label-, Booking- und Partynetzwerk „Keinemusik“ heraus. Sie steuern die siebte Farbe zur Uslu Airlines DJ Nail Polish Line bei. Der Bundeswehrgrüne Lack KMC wurde nach dem King Khalid Military City Airport benannt und ist mindestens genauso kugelsicher wie die dazu passende T-Shirt-Kollektion mit Einschusslöchern.

F: Wer oder welcher Brand wäre für eine Kollaboration euer Traum-Partner, wenn ihr so frei aus dem Bauch heraus wählen könntet?

Jan: Also, ganz oben auf meiner Wunschliste für Mega- Collabs stehen Speedboat und Nagellack mit Donzi, Jet und Lippenstift mit Bombardier sowie Pistole und Mascara mit Glock.

F: Woher stammt die Idee, die Nagellacke nach Flughäfen zu benennen?

UA: Vom Anspruch, die Kosmetikwelt so zu verändern, wie es in den 60ern die Airlines im Tourismus getan haben. Mit dem Airport-Code sind unsere Produkte unverwechsel- bar. Unser Office nennen wir übrigens auch Tower.

F: Ihr verkauft eure Lacke beispielsweise auch in Platten- läden. Wieso?

UA: Weil wir dort unser Publikum überraschen und be- geistern. Außerdem haben wir ja eigens eine DJ Nagellack- Linie in Kollaboration mit unterschiedlichen Künstlern raus- gebracht. Da liegt der Plattenladen nahe.

F: Welches ist eure derzeitige Lieblingsfarbe?

Jan: Der grau-grüne ACE (Arrecife, Spanien)

Feride: Der blaue CMB (Bandaranayake, Sri Lanka)

F: Welche Farben sind diesen Herbst unverzichtbar?

UA: Die Farbe ist ziemlich egal, so lange Hi-Tech-Glitter in Custom Shapes drin ist. Zum Beispiel wie in unseren Lacken AMB oder USH.

F: Gibt es eine Farbe, die man nicht hinkriegt?

UA: Chrom. Aber wir arbeiten daran…

F: Welches Produkt würdet ihr gerne noch kreieren?

UA: Ein eigener Duft ist gerade in der Mache! Kosmetik ist ja bei uns nur ein Tei- laspekt. Ein wichtiger zwar, aber durch unsere Lust an Kollaborationen oft nur der Startpunkt weiterer Ziele: Schuhe, Schals, Shirts, Schmuck, Bücher, Musik, etc. Wir hatten bereits Kooperationen mit Reebok, Nike, MYKITA etc. Generell können wir uns alles vorstellen.

F: Feride, gehst du jemals ohne Nagel- lack aus dem Haus?

Feride: An den Füßen trage ich immer mindestens zwei verschiedene, aufeinander abgestimmte Farben. An den Händen gerne auch mal bloß einen Fingernagel lackiert – wie ein Accessoire.

F: Jan, du trägst Nagellack. Was geht für Männer?

Jan: Am liebsten trage ich auf jedem Finger eine andere Farbe. Erlaubt ist, was gefällt. Anfängern oder konservativen Typen empfehle ich ein klassisches Edelmetall wie Gold oder Silber am kleinen Finger der linken Hand. Passend zur Uhr!

F: Ihr habt Kinder – wie managt ihr Arbeit und Familie zusammen?

UA: Im Grunde war die Geburt unseres Sohnes 1999 ein wichtiger Anstoß, eine eigene Marke zu schaffen. Da wir keine Chefs und auch keine Investoren im klassischen Sinne haben (unsere Chefs sind unsere Kunden, unsere Investoren seid ihr), nehmen wir uns viele Freiheiten. Wenn das Wetter stimmt, gehen wir mit den Kindern am Teufelsberg Drachen steigen lassen oder ins Prinzenbad – selbst nachmittags unter der Woche. Als Unternehmer können wir mehr für unsere Kinder da sein, denn als angestellte Überstündler. Unser Arbeitstag beginnt, nachdem die Kinder in der Schule sind und endet (meistens), bevor sie wieder von der Ganztagesschule nach Hause kommen. Unser Urlaub richtet sich nach dem Ferienkalender. Das hätten wir uns früher nie vorstellen können. Unsere Kinder erinnern uns daran, dass der Job eben nur ein Job ist. Danke dafür.

F: Wer von euch beiden ist im Unternehmen wofür zuständig? Wie teilt ihr euch auf?

UA: Feride sorgt dafür, dass es gut aussieht, Jan stellt sicher, dass es auch funktioniert.

F: Jan, du kommst aus Offenbach, Feride, du aus der Türkei, gestartet seid ihr mit Uslu Airlines in New York, heute arbeitet ihr Berlin. Weshalb Berlin?

UA: Nach zehn Jahren USA zog es uns zurück nach Deutschland. Berlin schien der einfachste Europaeinstieg für Ex-New Yorker – die ‘newyorkischs- te’ Stadt Europas. Allerdings mit weniger anstrengendem Tempo und wegen der wesentlich tieferen Lebenshaltungs- kosten hat man hier keinen Druck. Berlin ist wie New York, nur gemütlicher.

F: Erkennt ihr kulturelle Unterschiede im Make-up- Verhalten/-Kauf unterschiedlicher Länder?

UA: Natürlich, andere Länder andere Sitten. Mal im Ernst die Deutschen sind eben schon anders drauf als beispielsweise die Amerikaner, deutsche Frauen sind experimentier- freudiger. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, darauf nehmen wir dann eben Rücksicht.

F: Wen würdet ihr euch als Aushängeschild für Uslu Airlines wünschen?

UA: Wir finden es recht lahm, wenn man sich als Brand für viel Geld einen Star kauft, der dann wie eine Nutte so tut, als ob ihm das Produkt gefällt. Da machen wir lieber gemeinsame Projekte mit den Celebrities, in die das volle Engagement beider Partner einfließt.



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