FAZ 19-06-2011

When Anke asked for an interview with Feride for the ‘Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung’, we thought it will boil down to one of the typical questioning-and-answering-thing but she convinced us of the contrary by writting an inspired, informative article about Feride and Uslu Airlines. Check it out your self!

Einer beglittert, einer nackt
Wer glaubt, die Farbe eines Lippenstifts ist das Wichtigste beim Make-up, kennt die Nagellacke von Uslu Airlines nicht: schrill, bunt und ziemlich abgefahren.

Es gibt drei Orte am Körper einer Frau, die man farbig markieren kann: Mund, Fingernägel, Zehennägel. Lange ging man in der Kosmetikbranche davon aus, dass der Mund das wichtigste Objekt ist, denn auf ihn schaut man zuerst, er gilt als sinnlich, ihn kann man küssen. Make-up-Marken brachten deshalb wöchentlich neue Lippenstifte heraus, auch wenn die Farbnuancen mit dem bloßen Auge kaum erkennbar sind.Der Nagellack dagegen wurde oft nur als Erweiterung verstanden, als Accessoire, gleichsam als die kleine, langweilige Schwester, die sich nach dem Ton des Lippenstifts richtet.
Doch im vergangenen Jahr kam eine andere Tonart auf. Plötzlich sah man Fingernägel in der Farbe verbrannten Holzes. Selbst Heidi Klum, stets strahlend, nett und sauber, trug bei ihrer Modelshow plötzlich schwarze Fingernägel, als sei das Funkemariechen aus Bergisch Gladbach plötzlich zum Marilyn-Manson-Groupie mutiert.

Seitdem hat der Nagellack, wenn man so will, zu einer eigenen Sprache gefunden. Man könnte auch sagen: Er ist die wilde Schwester des Lippenstifts geworden, denn was sich im Gesicht verbietet, ist am Finger erlaubt – grelle Farben und seltsame Materialien. Der Fingernagel, der bislang nur in Nagelstudios meist am künstlichen Objekt Beachtung fand, ist auch in der Kosmetikbranche zur kreativen Spielwiese geworden.

Zu den Guerrilleros gehört Feride Uslu. Die Berlinerin mit türkischen Wurzeln lebt mit der Kosmetikmarke Uslu Airlines all das aus, was sich andere denken, aber nie umzusetzen wagen. Der Make-up-Artistin, die gemeinsam mit ihrem Partner Jan Mihm seit acht Jahren die Marke führt und ihre Produkte nach den Kürzeln für die Flughäfen dieser Welt benennt, fällt es daher schwer, einen It-Nagellack auszumachen. Vielleicht der, der an einen verregneten Morgen in der Stadt erinnert? “Bei Graublau waren wir die Pioniere”, sagt sie. “Eine Farbe, die jetzt erst so richtig angekommen ist, deshalb machen wir da auch weiter.”

Die Expertin, die lange in New York lebte und neben ihrer Kosmetiklinie als Make-up-Artistin für internationale Designer und Schauspieler arbeitet, empfiehlt derzeit ein ganz helles Grün mit einem Schuss Mint. Oder “NIM”: eine Mischung aus Grau, Blau und Grün.
Die Make-up-Künstlerin ist außerdem ein Fan der Cross-Coloration: “Die Farben sehen besonders toll aus, wenn man zum Beispiel den Ring- und kleinen Finger im hellen Grün und die restlichen in Blaugrün lackiert.” Aber auch Gelb und Orange, passend zu den Knallfarben in der Mode, werden in diesem Sommer eine Rolle spielen.
Einer ihrer ersten Lacke war “TIA” (benannt nach dem Kürzel des Flughafens von Tirana), ein Neon-Pink, “für den immer noch mein Herz schlägt”.

Ihre Inspirationen findet Uslu aber nicht unbedingt in der Mode, sondern im Alltag. Plötzlich hat einer ihrer Nagellacke die Farbe eines Regenmantels, den sie auf der Straße sieht. Oder das Gelb der New Yorker Taxis, das man in dem Nagellack “CAB” wiederfinden kann. Uslu experimentierte aber auch mit weniger harmonischen Farben, die eher an die Arbeit in einer Kfz-Werkstatt erinnern: Stahl und Chrom.

Ausverkauft ist mittlerweile der Nagellack “RIK”, der aus vielen kleinen Glittersternen bestand. “Die Sterne haben wir mit der Hand einzeln in jede Flasche gestopft.” Ein aufwendiges Projekt, das sie so schnell nicht wieder machen möchte. Eher schon will sie an Nagellacken weiterarbeiten, die in einem politischen Kontext stehen. “ONE” war ein Nagellack, den sie während der internationalen Finanzkrise entwickelte. Er bestand aus einem blassen Grün, angelehnt an die amerikanischen Banknoten. Gleichzeitig, erzählt sie, war es das Grün der iranischen Opposition.

Uslu, deren Nagellacke in Trendstores wie Quartier 206 in Berlin, Colette in Paris und auch schon mal in Mini-Bars einer Hotelkette verkauft werden und um die 20 Euro kosten, vergleicht ihre Produkte mit Diamanten oder goldenen Uhren: “Wer gerne dick aufträgt, darf gerne protzen! Man kann aber auch sparsam Akzente setzen, zum Beispiel, indem man den kleinen Finger beglittert und die anderen Nägel nude lässt.”

Text: Anke Schipp
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.06.2011, Nr. 24 / Seite 49



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